"Ich bin froh"
Gebärdensprache
"Es muss schlimm sein, wenn man das Gefühl haben muss, von Niemanden wirklich verstanden zu werden".
Wie groß die Verständigungsprobleme für gehörlose Menschen im Alltag sind, haben Masseurin Bettina Niemann und die Krankenschwester Elke Bendrig an Ihrem Arbeitsplatz in der Dörenberg Klinik festgestellt. Bei der Behandlung einer gehörlosen Patientin entschloss Bettina Niemann sich eine neue Fremdsprache zu lernen, bei der Geist, Hände, Körperhaltung und Mimik gleichermaßen gefragt sind.
Gesagt – getan: Bettina Niemann ist seit 2004 eine der wenigen Therapeutinnen in der Region, die die Gebärdensprache beherrscht.
„Einfach war das nicht“, gibt die junge Frau zu. "Viele neue Vokabeln, die eigenständige Grammatik und der Einsatz der Hände, Mimik und Gestik, all das war völlig neu für mich."
Nicht nur um ihre Kenntnisse immer wieder neu aufzufrischen, nimmt Bettina Niemann regelmäßig an dem Gebärdensprachstammtisch teil, der einmal im Monat in der Gaststätte „Grüner Jäger“ in Osnabrück stattfindet. „Da sind sehr gute Freundschaften entstanden. Ich lerne dort immer wieder etwas dazu“. )
Seit März 2008 nimmt Frau Niemann an der berufsbegleitenden Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin in Winnenden teil.
Einen positiven Nebeneffekt für ihren Arbeitgeber hat das Engagement auch:
Für gehörlose Reha-Patienten ist die Dörenberg-Klinik mittlerweile eine Wunschadresse, berichtet Bettina Niemann:
„Ich erlebe es immer wieder, wie glücklich gehörlose Patienten sind, wenn der Therapeut ihre Sprache beherrscht. Ich finde das einfach schön.“
Zur Sache: Gebärdensprache
Gehörlose Menschen kommunizieren seit eh und je mittels der Gebärdensprache. Offiziell ist sie aber erst seit 2002 anerkannt.
Die Sprache für Gehörlose ist kein primitiver Behelf, sondern eine vollwertige, natürliche Sprache mit einer spezifischen Struktur, einem Alphabet und einer eigenen Grammatik Die Gebärden sind je nach Land unterschiedlich. Es gibt sogar regionale Dialekte. Die innerhalb der deutschen Gehörlosengemeinschaft gewachsene Gebärdensprache folgt eigenen Regeln. Im Mittelpunkt stehen die konventionellen Handzeichen Gehörloser. Von großer Bedeutung sind zudem die Mimik, der Körperausdruck und tonlos gesprochene Wörter.
Bei der Unterhaltung ist der Blickkontakt entscheidend, der etwa durch das Antippen mit der Hand, Klopfen oder Winken aus der Distanz hergestellt wird.
Die Höflichkeitsform „Sie“ gibt es in der Gebärdensprache übrigens nicht: Alle Gesprächsteilnehmer sind automatisch per „Du“, was den Vorteil hat, dass die Hemmschwelle für eine spontane Kommunikation niedriger ist.





